Cheats und unfaires Spiel – Deshalb kann im eSport nur auf ausgewählte Partien gewettet werden

Von Sportwetten im Allgemeinen kennt man das System der Online Wetten so, dass auch nahezu jedes Spiel unterer Ligen und in Qualifikationsrunden mit einer Wette belegt werden kann. Im Gegensatz dazu steht der eSport. Zwar sind Wetten auf den eSport immer beliebter und erleben vor allem in den letzten Jahren einen erheblichen Zulauf bei den Online Wettanbietern. Dies liegt natürlich an der Beliebtheit des eSport im Allgemeinen. Doch weshalb kann man dann nicht auf weitaus mehr Partien wetten? Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die aus Sicht der Buchmacher am ehesten in der Qualitätssicherung bei den Online Wetten zu suchen sind.

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Welche eSport Events kommen für Wetten in der Praxis infrage?

Während die Spiele, auf die gewettet werden kann, immer wieder variieren könnten ist relativ gesichert welche Events überhaupt für Wetten infrage kommen. Meistens sind dies die großen Turniere in Hallen und Centern oder die entsprechenden Endspiele, die ebenfalls in gesonderten Räumen stattfinden. Denn während sich die Sportler hierzu in die Sportstätte begeben müssen, wie man es von klassischen Sportwetten eben auch kennt, werden Turniere in unteren Ligen oder Qualifikationsspiele zu großen Turnieren oft von Zuhause gespielt. Dabei erfolgt die Austragung der Wettkämpfe im Internet und basiert auf Punktsystemen der Ligen ESL (eSports League) oder der MLG (Major League Gaming). Die jeweiligen Ergebnisse werden oft von den Mannschaften selbst übermittelt und, im Sinne des Fairplay, vom Gegner dann bestätigt, sodass bei Einigkeit ein klares und einfaches System zur Ergebnisermittlung besteht, welches nicht viel kostet. Daher können grundsätzlich dann auch alle am eSport teilnehmen, die es sich zutrauen. Daraus entsteht dann wiederum etwas von der Begeisterung, die der elektronische Sport auslöst. Denn immerhin ist es weitaus wahrscheinlicher, dass es ein 15-Jähriger, der gerade erst anfängt zu spielen, noch in hohe Ligen schafft, als dass selbiges im realen Sport, etwa in der Fußball Bundesliga, geschieht.

Anfällig für Wettbetrug

Diese Partien kann man allerdings nicht bei den eSport Wetten finden. Der Grund ist einfach. In den untersten Ligen, wo Nutzer quasi selbst für die korrekte Ergebnisübermittlung sorgen und nur nachgeschaut wird, wenn es zu Unstimmigkeiten kommt, währen Wettkämpfe sehr anfällig für Wettbetrug. Absprachen beider Teams müssten nicht mal großartig verschleiert werden. Es gilt lediglich für beide Parteien dasselbe Ergebnis zu übermitteln und niemand wird je Anstoß daran nehmen. Diese unregulierte Art mag kostensparend sein, und damit auch den eSport in der breiten Masse erst zugänglich machen, eignet sich für entsprechende eSport Wetten aber nicht. Tatsächlich wurden in der letzten Zeit häufiger Meldungen laut, die sich mit Spielmanipulation aus sportlichen Gründen, also schlicht denen, dass man es in höhere Wettbewerbe schaffen möchte, beschäftigen. Für Buchmacher, und letztendlich auch für Wettfreunde selbst, wäre dies wohl kaum haltbar.

Der Gegner als Marionette - Manipulation im eSport

Der Gegner als Marionette - Manipulation im eSport

Cheats – Technische Spielmanipulation

Tatsächlich gibt es aber im eSport noch einen weiteren Faktor, mit dem man das Fairplay umgehen kann. Anders als in vielen anderen Sportarten sind technische Manipulationen möglich. Neben ganz gewöhnlichem Doping im eSport, was im Übrigen ebenfalls schon zum Thema wurde, ist hier also eine Art Doping für das Spielgerät möglich. Das Ganze wird unter dem Begriff Cheaten zusammengefasst. Cheaten kommt vom englischen „to cheat“ und bedeutet nichts weiter als „schummeln“. Der klassische Cheat in früheren Videospielen war von den Entwicklern gewollt und bewusst einprogrammiert. Es handelte sich meist um geheime Tastenkombinationen oder sogar Codes in einem bestimmten Fenster, die herausgefunden und eingegeben werden mussten. Dann bekam man, abhängig vom Spiel, entweder unbegrenzte Munition, war unsterblich oder bekam einiges an Spielwährung. Alternativ konnten so auch besondere Spaßmodi, wie beispielsweise ein Fußballspiel, in welchem alle Spieler riesen Köpfe haben, freigeschalten werden. Damals hatten Cheats einen positiven Ruf. Zur Hochzeit boten Zeitschriften für Videospiele Seitenlange Kapitel an, die die neusten Cheats veröffentlichten. Mit diesen klassischen Cheats hat cheaten in Online Multiplayer Games, also denen, die in eSport Wetten gespielt werden, nichts mehr zu tun. Ein moderner Cheat kann technisch komplex sein und greift in die grundlegende Spielmechanik, die immer ausgeglichen sein sollte, so ein, dass von Fairplay keine Rede mehr sein kann.

mensch ärgere dich nicht mit einem Würfel, der nur sechser zeigt? So wirken Cheats im eSport.

mensch ärgere dich nicht mit einem Würfel, der nur sechser zeigt? So wirken Cheats im eSport.

Bei Spielen auf dem PC können etwa Hacker das System so überlisten, dass sie beispielsweise durch Wände laufen können. Hier hindern moderne Anti Cheat Systeme der Spieleentwickler aber recht gut daran, heutzutage. Doch es gibt auch Maßnahmen um zu cheaten, die geradezu technisch ausgeklügelt sind. Auf Konsolen wird dies durch das eher geschlossene System schon von jeher etwas schwerer, jedoch nicht unmöglich, gemacht.

Die einfacheren Maßnahmen sehen beispielsweise bestimmte Einstellungen im Internet Router vor, die eine Verbindung zum Spiel so gezielt stören, dass man selbst eher schwer getroffen wird, den Gegner aber dennoch anhitten (Fachjargon für Verletzen im Ego Shooter) kann. Wer privat schon mal solche ein Spiel ausprobiert hat, der weiß, dass eine schlechte Verbindung der Spieler dazu führen kann, dass man auf einen schießt, aber einfach keine Hitmarker (Markierung, die einem signalisiert einen Treffer gelandet zu haben) bekommt. Dieser Effekt wird hier mit Absicht erzeugt.

Weiterhin gibt es Möglichkeiten zu cheaten, die eine technische Manipulation. Frei verkäuflich gibt es zum Beispiel für Konsolen spezielle Controller (Eingabegeräte), die automatische Feuerstöße generieren, ohne das Zutun des Spielers. Dabei wird so getimt, dass Rückstoß und andere Einwirkungen sich mit dem verursachten Schaden im bestmöglichen Verhältnis entgegenstehen. Weiterhin gibt es auch sogenannte Auto Aim Controller (Aim ist englisch für Zielen), die einen beträchtlichen Teil des Anvisierens des Gegners automatisch übernehmen.

Controller - Sportgerät im eSport

Controller - Sportgerät im eSport

All solche Hilfsmittel, wie auch andere mögliche technische Manipulationen können nicht ausgeschlossen werden, so lange ein Wettbewerb nicht in die Phase übergegangen ist, in der er unter Aufsicht stattfindet. Eine Kontrolle der Hardware, also der Konsole oder des PCs mit Zubehör, kann erst bei Wettbewerben an gesonderten Austragungsorten erfolgen. Daher ist endgültig auch erst dann möglich eSport Wetten anzubieten.

Sind in Zukunft mehr eSport Wetten möglich?

Die Möglichkeit in Zukunft schon auf mehr Partien im eSport wetten zu können ist jedoch durchaus gegeben. Hierzu muss lediglich das Interesse am eSport weiterwachsen wie bisher. Irgendwann wird der Punkt erreicht sein, ab dem es sich aus Kostenüberlegungen lohnt auch frühere Begegnungen schon an Wettkampforten und vor Publikum auszutragen. Südkorea und ähnliche Länder stellen hier ein Vorbild dar, welches Europa um mindestens 10 Jahre, wenn nicht länger, voraus ist. Dort werden nahezu täglich eSport Events im Fernsehen übertragen, wie hier Fußballspiele.

Eine weitere Möglichkeit ist die, dass die Nachfrage bei den Buchmachern so zunimmt, dass diese Buchmacher eigene Wettbewerbe sponsern oder gar ausrichten. Auf diese kann dann natürlich mit Sicherheit auch gewettet werden. Glänzendes Beispiel ist, wie so oft im Bereich des eSports, einmal mehr Pinnacle. Der Buchmacher, der seine Dienste für deutsche Kunden allerdings leider nicht weiter anbietet, für andere deutschsprachige Leser aber schon, hat bereits Erfahrung mit der Ausrichtung eigener Turniere. Nicht weiter wunderlich, wenn man erst mal weiß, dass Pinnacle seine Wurzeln in Asien hat.

Die Spitzensportler von morgen? Könnte sein.

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Aktuelle Entwicklungen

Allen genannten Problematiken tritt vor allem die Liga ESL mit schweren Geschützen entgegen. Erst jüngst wurden Verträge mit Sportradar geschlossen. Der Dienstleister sammelt hierbei nicht nur Statistiken und Daten zu Wettbewerben. Er sucht auch Unregelmäßigkeiten, die auf Betrug, Cheats oder Doping hindeuten. Erste sehr gute und erwachsene Schritte sind also getan, im eSport. Dieser entwächst damit immer weiter den Kinderschuhen und wird auch für Wetten noch interessanter, in naher Zukunft.

Cheats und unfaires Spiel vs Wettgenuss – mein Fazit

Das Cheats im eSport noch so weit verbreitet sind ist meiner Ansicht nach nicht wirklich ein Problem. An irgendeiner Stelle, spätestens in den höheren Ligen, findet automatisch eine Aussiebung der Spieler statt die versuchen sich mit Cheats zu verbessern. Weiterhin fällt diese Art von Betrug früher oder später erfahrungsgemäß doch einmal auf. Dann werden die Spieler, die auf Cheats zurückgreifen, sicher schnell aus den Wettbewerben ausgeschlossen, oft auf Lebenszeit, und haben auch innerhalb der Spiele selbst mit Repressalien zu rechnen. Die Problematik der Cheats ist für das jetzige System im eSport daher nicht annährend so schlimm, wie sich dies für außenstehende oben darstellen könnte. Wer schon etwas Vorwissen hat, der wird sich dessen bewusst sein.

Für eSport Wetten sind Cheats allerdings ein Problem. Hier bedarf es auf lange Sicht besserer Lösungen, wenn die eSport Wetten sich weiter ausbreiten sollen, bei den Wettanbietern, bis irgendwann auch Qualifikationsrunden und Ähnliches abgedeckt sind.

Ein wesentlich größeres Problem ist, meiner Meinung nach, beim Thema der Spielmanipulation, und infolge dessen auch der Wettmanipulation im eSport gegeben. Doch hier arbeiten Sportradar und die ESL, um ein Beispiel zu nennen, und noch weitere Institutionen schon jetzt fieberhaft an Lösungen, die sicherlich bald erste Früchte tragen. Daher kann bei eSport Wetten in Zukunft davon ausgegangen werden, dass diese immer sauberer und sicherer werden. Im Grunde hat diese recht neue Bewegung sogar einen erheblichen Vorteil. Man kann sich recht früh in der Entwicklung des eigenen Sports damit befassen. Andere, herkömmliche, Sportarten, wie etwa Tennis oder Fußball, hatten diese Option nicht. Denn die Problematik wurde erst mit Aufkommen der Online Wetten und nach langer Tradition des Sports selbst richtig drängend.