Die großen Gründer: Die Erfinder von Absolute Poker – Scott Tom

Beim Klang des Namens Absolute Poker mag manchem, der wenigstens schon über 30 Jahre alt oder nur unwesentlich darunter ist, eine vage Erinnerung aufgehen. Nach dem Motto „ja, da war doch mal etwas Größeres“. Tatsächlich hatten Scott Tom und, als Geldgeber Vater Phil Tom, mit Absolute Poker eine der größten Pokerseiten der frühen 2000er nahezu vom Stand weg geschaffen. Der Name Absolute Poker war tatsächlich so bekannt, dass er auch jene erreichte, die damals nichts mit Online Poker oder Glücksspielen im Allgemeinen am Hut hatten.

Doch so schnell der Erfolg kam, so schnell ging er auch wieder. Der Grund, weshalb Absolute Poker heute kaum noch ein jüngerer Spieler kennt. Denn die Seite war in den gleichen Betrugsskandal verwickelt, wie auch Ultimate Bet und Greg Pierson. Wie es zu Absolute Poker kam, dem steilen Aufstieg mit noch steilerem Fall, und alles zu den Gründern, die im Wesentlichen aber nicht nur auf den Namen Scott Tom und Phil Tom hörten, ist im Folgenden noch einmal genauer aufgeschlüsselt.

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Studentenverbindung Sigma Alpha Epsilon – Ohne sie hätte es Absolute Poker nie gegeben

In den späten 90er Jahren war eine Gruppe junger Studenten Teil der bekannten Studentenverbindung Sigma Alpha Epsilon an der University of Montana. Namentlich waren dies Scott Tom, Brent Beckley, Garin Gustafson, Pete Barovich, Shane Blackford, und Oscar Hilt Tatum IV. Auch wenn recht wenige Details zur Entstehung der erst 2003 gestarteten Absolute Poker Website überliefert wurden und Studentenverbindungen in solchen Dingen eher keine genauen Geschichtsbücher schreiben wird stark davon ausgegangen, dass all diese Personen einen Anteil am Launch von Absolute Poker hatten. Nur wer in welcher Funktion genau fungierte und wie viel Einfluss die Einzelnen hatten ist heute kaum noch nachzuvollziehen.

Fest steht, dass Scott Tom und Garin Gustafson seinerzeit schon recht gute Pokerspieler waren und definitiv eine Menge beigetragen hatten. Weiter wird vermutet, dass es diese beiden waren, die die Entwicklung der Online Glücksspielindustrie mit großem Interesse verfolgten. Es wird gesagt, dass sie sich anschauten was damalige Seiten anboten und überzeugt waren, dass sie es besser könnten. Mit dem wahren Ausmaß ihres Erfolges, der sich schnell nach dem Launch von Absolute Poker einstellte, werden die beiden kaum gerechnet haben.

Scott Tom – Der Geschäftstüchtige

Als der geschäftstüchtigste und die treibende Kraft hinter dem Launch von Absolute Poker gilt Scott Tom. Der junge Student war nicht nur der „Rädelsführer“, als es darum ging eine eigene Pokerseite zu erschaffen, er war auch der einzige der das nötige Startkapital aufbringen konnte. Ohne Scott Tom hätte es Absolute Poker sicherlich nie gegeben. Denn sein Vater Phil Tom war Portfolio Manager in der Finanzwirtschaft und konnte einige Teile des benötigten Kapitals beisteuern.

Scott Tom und seine Verbindungsbrüder zogen nach Costa Rica, wo ein glücksspielfreundliches Klima herrschte um dort ihre Firma zu gründen. Dort lebten sie, so sagt man, ein wildes Leben und badeten im Luxus, nachdem ihre Firma schon zu Beginn ein Überraschungserfolg wurde. Während die Anderen sich aber scheinbar mehr und mehr auf Partys und Luxus konzentrierten, denn viel mehr hörte man später nicht mehr von ihnen, blieb Scott Tom weiterhin am Ball und managte die Firma federführend.

Es wird vermutet, dass er es PartyPoker und anderen gleichtun wollte, an die Börse zu gehen und damit unglaubliche Gewinne einstreichen. Doch dann kam dazwischen, dass das politische Klima der USA in Bezug auf Online Poker noch etwas harscher wurde, sodass diese Pläne wohl nicht mehr zur Durchführung kamen. Stattdessen verkaufte Scott Tom Absolute Poker 2006 an die Firma Tokwiro Enterprises. Dieser gehörte auch Ultimate Bet mittlerweile an und es kam zum Betrugsskandal.

Betrugsalarm bei Absolute Poker und Scott Tom

Betrugsalarm bei Absolute Poker und Scott Tom

Der Absolute Poker Betrugsskandal

Im Jahr 2007 war Absolute Poker von einem waschechten Betrugs Skandal betroffen Es wurde vermutet, dass mindestens ein Spieler im System die Karten der Gegner sehen konnte und demnach einen unfairen Vorteil hatte. Passieren sollte so etwas natürlich nicht. Richtig erschreckend wird der Skandal erst dann, wenn man weiß es war kein Einzelfall.

Tokwiro Enterprises besaß zu dem Zeitpunkt auch Ultimate Bet. Und dort war exakt derselbe Fall wenige Monate Später publik geworden. Zufall? Sicher nicht. Denn Greg Pierson, Gründer von Ultimate Bet, hatte eine eigene Software Firma, welche die Pokersoftware für den eigenen Internetauftritt entwickelte und auch später noch Bestandteile der Software anderer Seiten mit entwickelte. Die Ultimate Bet Software war komplett von Pierson entwickelt worden und beinhaltete einen so genannten God Mode, einen Modus, der einem Spieler erlaubt alles zu tun, eben auch die Karten der Gegner zu betrachten. Rückblickend liegt nahe, dass vielleicht auch bei Absolute Poker Services von Greg Pierson genutzt wurden. Denn die Fälle wirken zu ähnlich. Der komplette Fall Ultimate Bet und alles zu Greg Pierson lässt sich hier nachlesen.

Allerdings wurde im Absolute Poker Skandal nie ein echtes Ermittlungsergebnis von offizieller Seite erzielt. Der Schaden für den Ruf des Scott Tom und für die Marke Absolute Poker war aber dennoch längst geschehen und die Seite ging vom Markt.

Scott Tom der unschuldig verunglimpfte?

Im Zuge des Skandals versuchten immer wieder private Ermittler herauszufinden was geschehen war. Manche legten Beweise so aus, oder bogen sie sich zurecht, dass man meinen könnte es habe eine Verbindung zwischen dem Schummel Profil bei Absolute Poker und Scott Tom selbst bestanden. Andere wieder sahen es eher einem engen Freund von Scott Tom zugeordnet. In beiden Fällen war der Tenor der Selbe: Scott Tom sein ein Betrüger, so hieß es.

Ob schuldig oder nicht: Reist Scott Tom heute in die USA an bekommt er sicherlich dieses Taxi am Flughafen.

Ob schuldig oder nicht: Reist Scott Tom heute in die USA an bekommt er sicherlich dieses Taxi am Flughafen.

Sein Vater allerdings verteidigte ihn im Laufe des Skandals immer wieder und versicherte sein Sohn werde zu Unrecht verunglimpft. Böse Zungen sprachen diesem daraufhin eine Rolle als Komplize zu.

Rätselraten um die Schuld

Erschwerend kam hinzu, dass Absolute Poker klar widerlegbare Aussagen machte. So hieß es erst Scott Tom wäre zur Zeit des Betrugs mit der Entwicklung neuer Software und nicht mit dem Tagesgeschäft beschäftigt gewesen. Diese Behauptung konnte später widerlegt werden.

Die Glücksspielaufsicht, die den Fall untersuchen sollte, kam allerdings nur zu dem Schluss, dass die Firma Absolute Poker als solche keinerlei Schuld hatte. Individuen, die verwickelt waren, konnte man keine benennen. Auch wenn tatsächlich auch Zweifel an der Unschuld von Scott Tom berechtigt sind: Die Verbindung zu Ultimate Bet ist zu auffällig, als dass man nicht in diese Richtung hätte ermitteln sollen. Einen schlechten Ruf wird Scott Tom wohl dennoch immer weghaben. Auch deshalb, weil spätere Ermittlungen wegen Geldwäsche und bankbetrug dieses Klischee auf den ersten Blick bestärken. Doch diese waren nur wegen dem Vorwurf gegen Glücksspielgesetze, im Detail weil man den US- Markt bedient hatte, zuzuordnen. Diese trafen zu jener Zeit auch viele andere Gründer von Pokerseiten.

Brent Beckley musste ins Gefängnis. Tom Scott würde das selbe drohen.

Brent Beckley musste ins Gefängnis. Tom Scott würde das selbe drohen.

Scott Tom taucht ab

Zu diesen Vorwürfen hatte Scott Tom sich allerdings nie geäußert. Er zog es vor sich den US Behörden zu entziehen. Er wurde nach Aufkommen der Vorwürfe in Antigua vermutet. Gesicherte Erkenntnisse zu Scott Tom gab es seither keine mehr.

Aus Sicht des Scott Tom war dies wohl auch besser so. Ein anderer Gründer, Brent Beckley, musste nämlich infolge der Ermittlungen ins Gefängnis. Er gab an Absolute Poker habe Banküberweisungen verschleiert um ihre Zuordnung zu Glücksspiel zu erschweren. Immerhin 10 von 14 Monaten hatte er abzusitzen und durfte sich damit noch über eine milde Strafe für die Zusammenarbeit mit den Behörden freuen. Scott Tom wäre wohl weitaus länger im Gefängnis gelandet.

Ben Mezrich, ein weiteres Mitglied der Gründer Riege hat hierzu im Übrigen ein Buch verfasst, welches nur in Englisch verfügbar ist, aber dennoch sehr interessant zu lesen scheint.

Ein Fazit zu Scott Tom und Absolute Poker

Wenngleich dies damals noch nicht so deutlich und klar nachvollziehbar war, während der eigentliche Skandal noch tobte und ein Skandal den nächsten abzulösen schien, ist Absolute Poker doch Teil eines großen Ganzen. Skandale kommen vor. Sie betreffen Online Glücksspiel aber nicht mehr als beispielsweise die Finanzwirtschaft, Sportwetten oder Autohersteller. Seinerzeit war zweifelsohne eine Phase, in der die Welt des Online Poker von Skandalen erschüttert wurde. Einen Platz in der Ruhmeshalle der Pokerseiten hat Absolute Poker aber definitiv nicht verdient.

Selbst wenn Scott Tom am Ende tatsächlich nichts mit den Vorfällen zu tun gehabt haben sollte, eine Frage die sich wohl nie abschließend klären lässt, wäre es doch Absolute Poker gewesen, unter dessen Aufsicht der Skandal möglich war. Absolute Poker sollte also als Mahnmal für die Sicherheit von Poker Software gesehen werden. Scott Tom selbst gibt Rätsel auf. Er scheint tatsächlich möglicherweise unschuldig zu sein. Aber eben nur möglicherweise. Denn selbst wenn je herauskäme, dass ein direkter Zusammenhang mit Ultimate Bet bestand, dann wäre die Frage doch wie Scott Tom dies nicht bemerken konnte als eindeutiger Teil des täglichen Geschäfts. Den Namen Scott Tom je nochmal öffentlich im aktuellen Zusammenhang zu hören ist aber immerhin unwahrscheinlich. Denn sicherlich würden die US Behörden ihn zu gerne noch heute sprechen.