Die großen Gründer: Der Erfinder von Full Tilt Poker – Team Full Tilt

Anders als bei den beiden Konkurrenzseiten von PokerStars und Party Poker kann bei Full Tilt Poker kaum eine Einzelperson als Gründer festgemacht werden. Hier handelt es sich um ein Team aus etlichen professionellen Pokerspielern und Unternehmern, weithin bekannt als „Team Full Tilt Poker“. Die wichtigsten Einzelpersonen hieraus sollen im Folgenden näher vorgestellt werden.

Ebenfalls gleich zu Anfang sollte eines klargestellt werden: Full Tilt Poker, wie es heute ist, hat wenig mit dem Full Tilt Poker der Gründer gemeinsam. Aus Gründen, auf die später noch eingegangen wird, liegen die namensrechte an der Seite bei jenen Leuten, die heute auch PookerStars betreiben. Und dies ist Amaya Gaming. Zuvor hatte PokerStars Gründer Isai Scheinberg zunächst Full Tilt Poker übernommen, sich einige Jahre später aber durch einen Verkauf aller Bestandteile der beiden Unternehmen komplett aus dem Geschäft zurückgezogen.

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Raymond Bitar – Der unternehmerische Kopf bei Team Full Tilt

Raymond Bitar ist gewissermaßen der unternehmerische Kopf hinter Team Full Tilt. Zwar ist er meilenweit davon entfernt gewesen mehr Anteil an der Firmengründung zu habenals seine Partner, aber immerhin war er derjenige, der in der Wirtschaft zuvor mit dem Handel von Wertpapieren erfolgreich war und hatte auch die Firma Tiltware in Kalifornien gegründet, unter deren Dach die Marke Full Tilt Poker 2004 gelauncht und betrieben wurde.

Er sagte aber auch über sich selbst, dass er schon im Alter von 12 Jahren mit Poker angefangen hatte du ein deutliches Interesse an diesem Spiel hatte. Vielleicht auch deshalb war dann die Idee von Full Tilt Poker geboren, sobald er Chris Ferguson beruflich traf (und Wertpapiere für ihn handelte), und mit ihm ins Gespräch kam. Chris Ferguson war ein berühmter Pokerspieler, der später noch als Teammitglied von Team Full Tilt erwähnt wird.

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2011, mit dem Start der Probleme bei Team Full Tilt und ihrer Geschäftspraktiken war er einer der Personen, die von US Gerichten ins Visier genommen wurden. Er sollte Geldwäsche betrieben haben und Bankbetrug begangen haben. Schon hierfür waren bis zu 65 Jahre Haft möglich. Hinzu kamen noch Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung der Gelder der Spieler. Full Tilt Poker konnte seine Kunden nicht mehr ausbezahlen. Dies ermöglichte später Isai Scheinberg einen Deal mit der Justiz, wie in dessen Biografie nachzulesen ist, der beinhaltete, dass dieser die Außenstände bei den Kunden begleichen müsse.

Doch auch Raymond Bitar landete nie im Gefängnis. Nachdem eine Herztransplantation anstand lies die Justiz im wahrsten Sinne des Wortes Gnade vor Recht ergehen und auch er bekam einen eigenen Deal.

Howard Lederer – Das Gehirn hinter Team Full Tilt

Ein weiteres Mitglied von Team Full Tilt war Howard Lederer. Der Mann war zwar bei weitem nicht der einzige, der sich mit Poker richtig gut auskannte, er war aber in der Szene schon immer als „der Professor des Pokers“ bekannt. Diesen Ruf hatte das Gehirn von Team Full Tilt seinen unglaublichen analytischen Fähigkeiten zu verdanken.

Ursprünglich hatte er überhaupt kein Interesse an Poker. Er war eher an Schach interessiert. Doch als Howard Lederer nach New York zog, um dort Schachclubs näher zu sein, fand er in einem Hinterzimmer solch eines Clubs plötzlich Zugang zu Poker. Ihm gefiel wohl was er sah.

Schon bald spielte er 80 Stunden wöchentlich Poker und verbesserte sein Spiel unglaublich schnell. Den Höhepunkt erlebte diese Entwicklung als er im weltberühmten Mayfair Club in New York spielte und dort auch mit diversen Profis zusammenkam. Er und seine Pokerfreunde waren es auch, die das neu erfundene No Limits Holdem das erste Mal ausprobierten, welches heute so selbstverständlich gespielt wird, und es zum heutigen Stand der Dinge zu Ende entwickelten.

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Auch die Schwester des Howard Lederer spielte professionell Poker. Sie hatte es einerseits wohl durch die Familienbande im Blut, andererseits auch der Unterstützung des Bruders zu verdanken. Als Bruder und Schwester bei der World Series of Poker 1994 das erste Mal am Finaltisch aufeinander trafen war dies eines der Highlights, der jüngeren Pokergeschichte.

Auch Lederer war im September 2011 wegen Betrugs an den Spielern im Visier der Behörden. Er kam, im Zuge des Deals mit PokerStars, mit einem blauen Auge davon, büßte aber Aktiva von etwa 2,5 Millionen Dollar ein.

Phil Ivey – Der Frühstarter bei Team Full Tilt

Ein weiterer Profi in den Reihen des Team Full Tilt war Phil Ivey. Er war einer der Legenden des professionellen Pokers und wurde stets als der „Tiger Woods des Pokers“ bezeichnet. Angefangen zu spielen hatte er schon mit gerade mal 5 Jahren. Sein Großvater brachte ihm das Spiel bei. Ein weiterer Frühstart erfolgte mit 16. Er sah sich bereit für das Spiel ums große Geld, fälschte einen Ausweis und ging nach Atlantic City.

Im Jahr 2000, im noch immer jungen Alter von 24 Jahren, sah er sich bereit für die größten Turniere und nahm als Profi an der WSOP teil. Er belegte den 5. Platz. Für den Anfang mehr als gut.

2004, also zwei Jahre nach seinem ersten Sieg in einem WSOP Event, gehörte er ebenfalls zu Team Full Tilt. Er war schon jetzt eine Legende. Später schaffte er es sogar binnen 24 Stunden 1,6 Millionen Dollar in zwei Turnieren zu gewinnen. Damals gehörte er längst zu Team Full Tilt.

Als er dir rechtlichen Probleme auf Full Tilt Poker zukommen sah wurde Phil Ivey praktisch Fahnenflüchtig Team Full Tilt gegenüber. Er leitete juristische Schritte gegen die Seite ein und wollte aus seinem Vertrag entlassen werden. Es habe Vertragsbruch vorgelegen. Kollegial ist dies sicher nicht. Doch klug war es. Sein Ruf blieb ein guter. Er spielt weiterhin Poker.

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Chris Ferguson – Die treibende Team Full Tilt Kraft unter den Spielern

Äußerlich ist Chris Ferguson sicher jedem ein Begriff, der schon einmal bei Pokerübertragungen im Fernsehen hängen geblieben ist. Oder aus der Werbung. Er ist der eine, der unverwechselbare Pokerspieler mit Cowboyhut, langen Haaren und Bart. Vor allem letztere zwei Punkte brachten ihm den Spitznamen Jesus ein.

Er ist einer der besten und bekanntesten, hierzulande vielleicht sogar der bekannteste Pokerspieler überhaupt. Nach seinem eingangs schon angesprochenen Treffen mit Raymond Bitar war er in der Riege der professionellen Spieler der, der Team Full Tilt am weitesten vorantrieb, andere Spieler engagierte und kräftig die Werbetrommel rührte.

Im Kriminalfall wegen der Unterschlagungen von Geldern bestand er darauf, dass es sich eher um Missmanagement handele, als um kriminelle Intrigen. Auch er spielt heute noch Poker, hat seine besten Zeiten aber längst hinter sich.

Das Auf und Ab von Full Tilt Poker

Team Full Tilt war durchaus erfolgreich. Nachdem man die Verschärfung oder verschärfte Verfolgung der Glücksspielgesetze in den USA nicht ernst nahm und, wie auch PokerStars, weiter im Land operierte wurde Full Tilt Poker zunächst zum zweitgrößten Anbieter weltweit. Denn man profitierte enorm vom Rückzug der Mitbewerber, wie etwa PartyPoker es handhabte.

Dann kam die Wende. Ohnehin schon im Visier der Behörden erlaubte man sich diese „Fehler im Management“, die wegen der ganzen Deals bis heute noch nicht eindeutig aufgearbeitet sind, und musste sich aufkaufen lassen. Full Tilt Poker verschwand praktisch vom Markt. Freunde hatte der Name ohnehin nur wenige behalten. Team Full Tilt löste sich auf. Erst deutlich später wurde Full Tilt Poker wieder annährend bedeutsam. Allerdings ist heute der Name noch die größte Gemeinsamkeit mit dem, was Team Full Tilt damals angestoßen hatte.

Damals, zur Gründung, waren es insgesamt 9 Mitglieder im Team Full Tilt. Es fehlen hier also fünf. Genannt wurden aber die vier unbestritten wichtigsten.

Die Hauptakteure kamen noch lange in den Nachrichtenmeldungen vor. Ferguson klagte zwischenzeitlich um Geld auf eingefrorenen Konten wieder zu bekommen, bei Ivey ging man sogar von einer Pleite aus. Durchschaubar ist das ganze kaum. Immerhin hat sicherlich jeder der Beteiligten sein Pokerface gewahrt und auch eigene Belange verfolgt. Ivey beispielsweise wollte zu diesem Zeitpunkt vielleicht schlicht keinen Unterhalt zahlen. Denn durch ausbleibenden Unterhalt gelangte er erst in die Medien.

Ein Fazit zu Team Full Tilt

Anders als bei den Gründern anderer großer Pokerseiten gab es bei Team Full Tilt recht wenige Gewinner auf ganzer Linie. Als Gewinner durfte sich letztendlich schon der sehen, der am Ende rechtzeitig ausstieg. Ironischer Weise war hier eine Parallele zu Poker durchaus gegeben.

Und ebenfalls anders, als es bei anderen Pokerseiten ist, bietet Full Tilt bis heute keine Sportwetten an, sondern lediglich Poker und ein Online Casino. Von den Gründern reiner Pokerseiten ausgehend war Team Full Tilt zumindest in geschäftlichen Belangen das wohl fragwürdigste seiner Art. Dennoch darf man nicht herabwürdigen, dass auch Team Full Tilt einen erheblichen Anteil daran hat, wie populär der Sport Poker heute ist. Daher bleibt am Ende dennoch etwas Positives hängen.