Verlorenes Geld vom Online Casino zurückfordern – Geht das? Ein Rechtstipp sagt ja!

Erst vor noch nicht allzu langer Zeit berichtete ich an dieser Stelle von einem Fall, in dem ein Glücksspielsüchtiger damit scheiterte seine Verluste vom Casino gerichtlich zurück zu fordern. Zuvor allerdings gab es bereits Erfolge. Allerdings war der Fall nicht zu 100 Prozent auf deutsches Recht gemünzt. Eine große Anwalts Website verspricht in einem aktuellen Rechtstipp vom 14.6.2017 nun aber genau dasselbe. Mit dem Unterschied, dass sich deren Argumentation an deutschem Recht orientiert und als Ziel die Zahlungsdienstleister statt der Casinos ins Visier nimmt. Ich habe mir die Argumentation im Folgenden einmal genauer angeschaut und entsprechend Rückschlüsse gezogen ob betroffene Spieler auf solch einen Rechtstipp hören sollten.

Rechtstipp Online Casion

Die Grundproblematik

Im Online Casino kann man nicht nur gewinnen, man kann eben auch verlieren. Und dies ist vor allem dann problematisch, wenn einzelne Nutzer ihr Spiel nicht mehr unter Kontrolle haben und einer Spielsucht erliegen. Diese Fälle gibt es. Das ist tragisch und sollte, möchte man sich seriös mit der Thematik befassen, auch nicht weggeredet werden.

Doch auch für jeden anderen Spieler kann es ärgerlich sein, wenn statt des erhofften Jackpots im Online Casino ein Verlust am Ende steht. Und nicht jeder Spieler entpuppt sich als fairer Verlierer. Zu gerne würden manche von einer Möglichkeit Gebrauch machen das Casino um den Einsatz zu „betrügen“, indem sie ihn einfach zurückfordern. Der Rechtstipp, um den es hier gehen soll, dürfte nicht nur, aber vor allem letztere ansprechen. Dabei möchte ich auch niemanden verurteilen. Natürlich ist ein Verlust immer ärgerlich. Und solche Reaktionen sind auch menschlich.

Der Rechtstipp – Zahlungsdienstleister als Schwachstelle

Der genannte Rechtstipp hat sich die Zahlungsdienstleister als vermeintliche Schwachstelle ausgesucht. Denn gegen Online Casinos selbst kann derzeit wegen EU Recht nicht vorgegangen werden. In aller Ausführlichkeit wurde dieses Thema schon mehrfach behandelt. Daher hier nur eine kurze Zusammenfassung:

Online Casinos, wie damals auch noch Sportwetten Anbieter ohne Lizenz, sollten in Deutschland ursprünglich im Glücksspielstaatsvertrag von 2008 verboten werden. Dagegen gingen die Anbieter mit Rückendeckung der EU vor. Mit Erfolg. Da innerhalb der EU Freizügigkeit von Angeboten gilt darf jeder Anbieter, der innerhalb der Europäischen Union zugelassen ist, also zum Beispiel auf Malta, auch Kunden in Deutschland mit seinen Dienstleistungen bedienen. In diesem Falle eben Glücksspiel. Der Glücksspiel Staatsvertrag wurde von der EU als faktisch nicht gültig erklärt.

Mr. Green App - Header

Online Casinos wie Mister Green arbeiten mit verschiedenen Zahlungsanbietern. Diese nimmt der Rechtstipp als Zielscheibe.

Auf eben diesen Staatsvertrag beruft sich nun aber der Rechtstipp der Kanzlei. Dort steht nämlich geschrieben, dass auch das Mitwirken an Zahlungen an oder von Glücksspiel Anbietern untersagt ist. Der Auffassung nach, die die Kanzlei in ihrem Rechtstipp vertritt, sind damit alle Zahlungen durch Banken, Wallets und andere Zahlungsdienste automatisch nichtig und könnten über ein Formular zurückgefordert werden. Dieses stellt die Anwaltskanzlei natürlich in ihrem Rechtstipp gleich zum Download bereit und verspricht Hilfe, sollte der Zahlungsdienstleister die Aufforderung die Zahlung zurück zu erstatten ignorieren oder sich weigern.

Der Rechtstipp bleibt aktuell

Nun sollte zunächst sachlich der Frage nachgegangen werden wie aktuell dieser Rechtstipp eigentlich ist. Denn wer sich ein wenig auskennt sollte bereits wissen, dass voraussichtlich im Januar der Glücksspielstaatsvertrag von 2008 durch eine Neufassung abgelöst wird. Diese Neufassung sollte in Bezug auf Sportwetten Anbieter tatsächlich das EU Recht zu genüge berücksichtigen. Im letzten Detail steht die Bedeutung für Online Casinos noch nicht fest, und noch darf man auch hoffen, dass hier nachgearbeitet wird, aber derzeit sieht es so aus, als bliebe die Sachlage hier etwa die selbe. Damit bleibt zumindest das juristische Umfeld des Rechtstipps vielleicht aktuell.

Wie realistisch ist der Rechtstipp?

Als nächstes sollte man sich diesen Rechtstipp also dringend in Bezug auf seinen Realitätsgrad ansehen. Versuche Glücksspiel zu verbieten sind bereits an EU Recht gescheitert. Dasselbe gilt für versuchte Verbote von Vermittlern, etwa über Wettshops ausländischer Unternehmen innerhalb Deutschlands. Beides stand nicht im Einklang mit der Wettbewerbsfreiheit innerhalb der EU. Und zuletzt wurde im zweiten Fall sogar klar entschieden, dass der deutsche Staatsvertrag durch seine Mängel nicht angewendet werden kann.

Rechtstipp

Der deutsche Staatsvertrag, den der Rechtstipp zitiert, ist nicht rechtsgültig.

Und eben dieser Punkt ist es, der den Rechtstipp der Kanzlei sehr fragwürdig erscheinen lässt. Denn eben dieser Staatsvertrag ist es ja, der Zahlungsdienstleister auch beinhaltet. Aber auch ohne explizite Ungültigkeit des Vertrags läge, meiner nicht so sehr juristisch Geschulten Ansicht nach, eine echte Wettbewerbsbehinderung der Anbieter in der EU vor, wenn Zahlungsdienstleister diese nicht mehr bedienen würden. So müssten letztere dann eher den Zorn der EU fürchten, als hier einen einzelnen Anwalt mit einer fixen, als Rechtstipp verpackten, Idee.

Was soll der Rechtstipp bezwecken?

Was genau der Ersteller mit seinem Rechtstipp vor hat kann ich natürlich ausdrücklich nur mutmaßen. Mir persönlich drängt sich hier allerdings der Eindruck auf, dass versucht wird Spieler mit Unterschlagungsabsichten auszunehmen. Denn angesprochen werden ja eindeutig jene, die ihr im Online Casino „ehrlich verlorenes“ Geld gerne zurückhätten. Weiterhin wird am Ende des Rechtstipps darauf hingewiesen, dass man bei erfolglosen Versuchen das Geld zurück zu holen, die ich als gegeben ansehe, gerne eine erste kostenlose Kontaktaufnahme zum Anwalt versuchen kann. Bei dieser wird dann sicherlich der Kostenpunkt einer Vertretung ebenfalls diskutiert. Und ab diesem Punkt kann dem Anwalt rein finanziell erst einmal egal sein ob sein Verfahren realistische Aussicht auf Erfolg hat. Der Mandant muss ihn ohnehin bezahlen.

Rechtstipp

Es scheint fast, als wolle der Anwalt nur die eigene Tasche füllen.

Mein Fazit - Hände weg von jedem Rechtstipp dieser Art

Als Fazit bleibt mir daher nur eines: Ich muss alle Lesereindringlich vor diesem Rechtstipp warnen. Oder vor allen anderen dieser Art die, ganz in der Natur des Internets, nun noch folgen könnten. Meiner Ansicht nach versuchen sich hier eher zweifelhafte Rechtsvertreter an jenen zu bereichern, die in Online Casinos verloren haben und darüber erzürnt sind. Eine realistische Rechtsberatung wäre von solcherlei Portalen vermutlich auch dann nicht zu erwarten, wenn die Sachlage eine andere wäre.

Wer die Nutzung eines Anwalts mit solch einem Rechtstipp in Erwägung zieht läuft Gefahr im wahrsten Sinne des Wortes abgezockt zu werden. Dies ist mein Eindruck. Und zwar mit deutlicherem Verlust abgezockt, als der Verlust in einem Online Casino in kurzer Zeit in der Regel bedeutet. Auch wenn in Verbindung mit solch einem Rechtstipp eher geringe Zahlungen vom Anwalt gefordert werden rate ich dringend ab. Nehmen wir ein virtuelles Vorab Honorar von 100 Euro, was für Anwaltsgebühren doch sehr günstig wäre, dann haben die Ersteller solch eines Rechtstipps bei 100 Betroffen die sich melden schnell 10.000 Euro eingenommen. Das Verfahren, sofern es zu einem kommt, kann man da leicht verlieren.