Droht Deutschland ein neuer Bundesliga Wettskandal?

Über die letzten Tage hinweg häufen sich zum Ende des Monats Februar Medienmeldungen, dass es in Deutschland womöglich gerade zum nächsten Bundesliga Wettskandal kommen könnte. Eine gemeinschaftliche Studie der Universitäten in Bielefeld, Pennsylvania und West Virginia soll demnach auffällige Werte in Bundesliga Statistiken und Buchmacherdaten aufgedeckt haben. Zuerst berichtete der Westdeutsche Rundfunk über die Studie. Damit ergab sich ausreichend Publikum welches die Meldung aufnehmen konnte, jedoch nicht genügen, als dass ein Großteil der Deutschen die Ursprungsmeldung mitbekommen haben sollte.

Damit war das Schreckgespenst um einen neuen Bundesliga Wettskandal schnell geboren. Ich möchte hier der Frage nachgehen, wie wahrscheinlich solch ein neuer Bundesliga Wettskandal ist, und was denn nun eigentlich als Anzeichen gewertet wurde.

Was war geschehen?

Zunächst möchte ich auf die vermeintlichen Anzeichen für einen neuen Bundesliga Wettskandal eingehen. Diese Anzeichen haben sich tatsächlich im Rahmen einer Studie ergeben. Im entsprechenden Punkt befasst sich die Studie mit Wetteinsätzen. Es wurde festgestellt, dass die Einsätze auf bestimmte Wetten und bei Spielen zweier bestimmte Schiedsrichter signifikant höher sind, als bei anderen Spielen und den Wetten gleicher Art. Es handelt sich um drei Schiedsrichter auf deren Spiele höhere Einsätze gewettet wurden. Deren Namen wurden nicht veröffentlicht, was sicher auch besser ist.

Insgesamt wurden über fünf Jahre hinweg (2010 bis 2015) die Einsätze auf 1251 Bundesliga Spiele untersucht, die beim Buchmacher Betfair getätigt wurden. Schiedsrichter wurden in dieser Zeitspanne immerhin 26 bei den Spielen eingesetzt.

Konkret handelt es sich um Über/Unter Wetten auf die Toranzahl. Auch Linienwetten genannt. Diese bietet jeder namhafte Buchmacher an. Abgefragt wird in der Regel, und genau bei diesen Wetten haben die Universitäten eine Auffälligkeit gefunden, ob es im Laufe eines Spiels mehr oder weniger Tore als 2,5 gab. Sprich wer auf drei und mehr Tore beider Mannschaften tippt hat auf „mehr“ zu tippen, wer ein Spiel mit höchstens zwei Toren erwartet tippt auf „weniger“.

Dass bei diesen drei Schiedsrichtern entsprechende Wetten höhere Einsätze aufwiesen ist alles, was die Studie aussagt. Und dass es sich hier letztendlich tatsächlich um besonders torreiche Spiele handelte. Mehr nicht. Die Universitäten selbst geben an, dass es hierbei um ein mögliches Manipulationsanzeichen handeln kann, es können aber auch andere Ursachen in den höheren Einsätzen zu finden sein. Den DFB habe man unterrichtet.

Wie aussagekräftig war die Untersuchung?

Ein weiterer wichtiger Fakt ist der, was überhaupt untersucht wurde. Und hier ist die Studie weitaus zu eng gefasst, um für mein Verständnis echte Aussagekraft zugesprochen zu bekommen. Untersucht wurden lediglich die Wetteinsätze beim Buchmacher Betfair. In einem breit angelegten Wettbetrug würden Buchmacher sich sicher nicht alleine auf einen Buchmacher stützen. In der Regel würden Einsätze über mehrere Buchmacher verteilt. Sicherlich auch teilweise über Mittelsmänner. So lange also Bet365 und Co nicht vergleichbare Werte aufweisen, was schlicht nicht von der Studie untersucht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit eines statistischen Ausreißers recht hoch, wenngleich es sich vermutlich um ein vergleichsweise seltenes Phänomen handelt, welches sich auf gleich drei Bundesliga Schiedsrichter verteilt.

Treiben Kriminelle wirklich noch immer ihr Unwesen in der Bundesliga?

Aber die Studie selbst sagt ja aus, es könne auch andere Gründe geben. Um einen anzuführen: Vielleicht haben schlicht die betroffenen Schiedsrichter aus reinem Zufall die Spiele zugeteilt bekommen, die bei Fans einfach als besonders Torreich gelten. Denn auch die Spiele sind natürlich nicht bekannt. Daraus könnte man sonst mit Leichtigkeit die Schiedsrichter ableiten.

Was tun, um einen Bundesliga Wettskandal auszuschließen?

Doch was sollte man nun machen, beispielsweise als DFB, um einen Bundesliga Wettskandal ausschließen zu können? Im Grunde wurde hier schon angefangen. Der DFB, der ja informiert wurde, arbeitet mit Sportradar zusammen. Das Unternehmen analysiert Wettmärkte und stellt anders herum auch den Buchmachern wichtige Statistiken und Live- Daten für ihre Wetten zur Verfügung. Dabei werden dementsprechend viele Buchmacher beliefert und im selben Schritt auch analysiert. Es wird eben das gemacht, was die Studie nicht tat. Ein möglichst breiter Querschnitt der Bundesliga Wetten wird überwacht. Über Anbietergrenzen hinweg. Und Sportradar konnte bereits versichern, dass man selbst keinerlei Auffälligkeiten festgestellt habe. Offen bleib für mich dabei ob man die Ergebnisse der Studie nachvollziehen konnte aber als unbedenklich einstuft, oder ob man gänzlich andere Werte hat.

Als erste Reaktion auf den Fall wurde demnach bereits alles eingeleitet, was schnell möglich ist. Ich bin mir sicher, dass auch jetzt noch bei Sportradar und Betradar die Köpfe zusammenstecken, um die Daten noch genauer zu analysieren und etwaige Ungenauigkeiten im eigenen System auszuschließen.

Ein neuer Bundesliga Wettskandal könnte auch leere Stadien bedeuten.

Wie konnte das Thema Bundesliga Wettskandal sich so schnell aufbauschen?

Wenn möglicherweise an all den Vorwürfen nichts dran ist, wie konnte das Thema dann so schnell so groß werden? Ein Faktor ist sicherlich der, dass auch Journalisten heute auf Seitenzugriffe im Internet angewiesen sind. Und wenn direkt in der Headline mit Bundesliga Wettskandal um Aufmerksamkeit geworben wird, dann sind diese zu einem gewissen Maß sicher.

Um ein Thema groß, und damit rentabel, zu machen braucht es allerdings auch noch Leser, die darauf anspringen. Und hier zeigt die Geschichte der Vergangenheit genau woran dies liegt. Spätestens seit der Affäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer ist der deutsche Fußballfan sehr sensibel, wen ausgerechnet Schiedsrichter und Bundesliga Wettskandal in einem Satz genannt werden. Zu verdenken ist dies sicher keinem. Immerhin war dies der große Knall, mit dem der deutsche Fußball einiges an der Integrität einbüßen musste, derer man sich vorher immer so sicher war.

Ist ein Bundesliga Wettskandal nun gegeben oder nicht?

Nach jetziger Faktenlage würde ich ganz persönlich zu einem „Nein“ tendieren. Gänzlich ausschließen lässt sich dies jedoch natürlich nicht. Denn klar ist: Irgendwo her muss eine statistische Auffälligkeit immer kommen. Wünschenswert für den Fußballfan und den Sport wäre es, wenn Kluge Köpfe in der näheren Zukunft austüfteln könnten, woher genau diese Werte kommen. Denn damit wäre ein Bundesliga Wettskandal letztendlich tatsächlich ausgeschlossen. Für Fans und den Sport wäre dies sehr gut. Wie vermutlich auch für den einen oder anderen verunsicherten Wettkunden.

Wenn die Gefahr einer Wettmanipulation gegeben ist – Kann man Betfair jetzt noch trauen?

Vertrauenswürdig ist Betfair auf alle Fälle. Es handelt sich um einen britischen Buchmacher, der niemals wegen irgendwelcher selbst verursachten Ungereimtheiten aufgefallen ist. Sollte es jemals doch einen Bundesliga Wettskandal geben, dann ist Betfair selbst das Opfer. Nicht der Täter. Denn immerhin sind es die Buchmacher, die letztendlich die Gewinne ausbezahlen müssen. Dadurch ist ein Verlust in den Büchern des Anbieters zwar noch nicht garantiert, die Gefahr ist aber immerhin gegeben. Je nachdem wie die Quoten gewählt waren. Eine Nachlässigkeit kann Betfair in diesem Falle auch nicht unterstellt werden. Denn immerhin arbeitet man dort ja mit Sportradar zusammen. Dem Dienst, der sogar den DFB selbst vor Wettmanipulation in der Bundesliga schützt.

Aber was spricht denn eigentlich noch für eine Wettmanipulation?

Ganz ausschließen kann man einen drohenden Bundesliga Wettskandal aber natürlich nicht. Dementsprechend möchte ich auch die Punkte aufzählen, die für einen neuen Wettskandal sprechen. Hier ist zunächst die recht lange Dauer der Studie zu nennen. Es wäre schon ein recht großer Zufall, wenn lediglich drei Schiedsrichter immer die torreichen Spiele bekommen. Hier allerdings ist ohne die Studie im Detail zu kennen auch nicht leicht auszumachen, ob es denn fast immer torreiche Spiele waren, oder ob es längere Phasen mit erwartungsgemäßen Ergebnissen gab. Und alleine zum Schutz der Schiedsrichter wird so schnell vermutlich keiner Einblick in die genaue Grundlage erhalten.

Sihcer ist: Mit Wettbetrug lässt sich viel Geld verdienen. Doch zu welchem Preis?

Weiterhin ist klar: Die Wettmafia wird sich nicht von einem Tag auf den Anderen in Wohlgefallen aufgelöst haben. Zuletzt ist sie zwar eher im Bereich um Russland und ehemalige Staaten der Sowjetunion in Erscheinung getreten, ganz ausgeschlossen kann eine vorsichtige Aktivität darüber hinaus aber auch nicht werden.

Letztendlich ist auch nicht klar wie Sportradar genau arbeitet. Dies ist verständlich. Einerseits sind die Analysemethoden im Detail sicher in einigen Bereichen Geschäftsgeheimnis. Andererseits muss auch Sportradar Werte festgelegt haben, die als signifikante Abweichung gelten. Die kennt keiner. Schon deshalb, weil man Betrügern keine Anleitung in die Hand geben darf, wie sie diese nicht überschreiten. Theoretisch denkbar wäre aber, dass genau dies über Jahre gelungen ist und nun eine Studie mit enger gesetzten Schwellwerten durch Zufall darauf aufmerksam wurde.

Ein neuer Bundesliga Wettskandal? Mein Fazit

Ich persönlich sehe die Sachlage derzeit noch sehr entspannt. Es gibt schlicht zu wenige Dinge, die man nach heutigem Stand eben nicht weiß. Und die Medien machen Dinge die man weiß im Internetzeitalter im Gegenzug oft größer als sie sind. Verrückt machen, aus Angst vor einem neuen Wettskandal, sollte sich also meiner Ansicht nach keiner. Weder Sportwetter noch einfacher Fan.

Die reine Möglichkeit, dass es einen erneuten Fall von Manipulation gegeben hat, von der Hand weisen will ich allerdings auch nicht. Denn im Grunde gilt hier dasselbe. Meiner Ansicht nach haben schlicht einige Medien zu schnell und teilweise vielleicht auch zu unreflektiert über etwas berichtet, was noch gar nicht ausreichend Fakten bereithält. Und die restlichen Berichte sind auf den Zug aufgesprungen. Ich rate daher das Thema im Auge zu behalten, es aber keinesfalls überbewerten zu wollen. Eher ist interessiertes aber entspanntes Beobachten angesagt. So lange, bis es neue und ausreichende Fakten gibt.

 
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