Sportwetten als direktes Vereinssponsoring – Zeigen die Kickers Offenbach d8ie Zukunft?

Sportwetten Anbieter als Sponsoren im Profifußball sind längst keine Neuerung mehr. In der abgelaufenen Spielzeit 16/17 gab es unter den 18 Bundesligisten nicht einen, der keinen Wettanbieter in der Sponsorenliste aufzuweisen hat. Der Nutzen für Vereine und Wettanbieter liegt auf der Hand. Die einen haben vergleichsweise rentable Werbepartner, die anderen erreichen den Fußballfan nirgends so gut wie direkt im Umfeld des Sports. Und Werbung auf dem Trikot, im Presseraum oder auf der Bande wird auf jeden Fall bei jeder Fernsehenübertragung zu sehen sein. Ganz ohne zusätzliche Verträge mit den TV Kanälen. Während die Wettanbieter, die für ihre Fußballwetten werben, und die Vereine meist Vereinbarungen treffen bei denen die Buchmacher als Werbepartner der zweiten Reihe, also direkt hinter dem Hauptsponsor, auftreten zeigt ausgerechnet ein kleiner Regionalligist wie es in Zukunft für beide Seiten noch profitabler werden könnte.

Verein als Wettanbieter, Kickers Offenbach

Das erste eigene Sportwetten Portal eines Fußballvereins bieten die Kickers Offenbach.

So sehen die Werbeeinnahmen mit Sportwetten im Fußball derzeit aus

Bevor ich weiter auf die Kickers Offenbach und ihr revolutionäres Modell eingehen möchte lohnt sich ein Blick darauf, was Vereine derzeit mit Sportwetten Sponsoring verdienen. An der Spitze, jedenfalls was das Zuschauerinteresse angeht, steht hier beispielsweise der FC Bayern München. Der Verein ist eine Premium Marke im Fußball. Und mit den Bayern in Verbindung gebracht zu werden lässt sich Tipico derzeit etwa 5,5 Millionen Euro pro Jahr kosten. Dies nennt sich dann bei den Bayern Platin Partnerschaft. Und wer darauf achtet wird Tipico im Bayern Umfeld auch recht häufig zu Gesicht bekommen.

 
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Aber selbst Borussia Dortmund kann noch über 3 Millionen Euro pro Jahr mit Bwin verdienen. Bei den beiden bisherigen Beispielen stimmt allerdings auch wirklich alles. Es mag Zufall sein oder nicht. Aber selbst die Farben der Vereine und der Sportwettenanbieter stimmen im Groben überein.

Einen besonders lukrativen Deal konnte, rein auf den Bereich Sportwetten bezogen, Hertha BSC abschließen. Als offizieller Hauptsponsor, was allerdings auch eine Seltenheit für einen Buchmacher ist, zahlt Bet-at-Home immerhin etwa 6 Millionen Euro pro Jahr an den Hauptstadtclub.

Genannt habe ich bisher außerordentlich rentable Beispiele. Um dies etwas in ein Verhältnis zu setzen sollte auch der 1. FC Köln aufgeführt werden. Exklusivpartner Betsafe zahlt hier vergleichsweise geringe 700.000 Euro pro Jahr. Das also bei eher formschwachen Vereinen und in den unteren Ligen erstmal einiges an Abzügen zu machen ist dürfte auf der Hand liegen.

Das Modell Kickers Offenbach – Ein Fußballverein als Wettanbieter

Nun liegt es ja auf der Hand, dass die kleineren Vereine, wie eben die Kickers Offenbach, die als Regionalligist nicht mal drittklassig spielen, entsprechend deutlich weniger Einnahmen durch Sportwetten Sponsoring zu erwarten haben.

Dem Problem entgegnet der Verein seit einiger Zeit mit einer gänzlich neuen Form der Partnerschaft mit dem österreichischen Buchmacher Tiplix. Die Kickers Offenbach betätigen sich schlicht selbst als Buchmacher. Auf der eigenen Homepage gibt es den Menüpunkt „Sportwetten“. Und dieser führt direkt zum eigenen Wettportal der Kickers Offenbach. Betrieben wird dies technisch durch Tiplix. Genaue Abkommen und Zahlen sind mir ebenfalls keine bekannt. Die Kickers Offenbach dürften jedoch recht sicher an jeder Fußballwette direkt mitverdienen. Man geht gemeinhin von 30 bis 40 Prozent der Einnahmen aus, die direkt in die Vereinskasse der Kickers Offenbach fließen.

Verein als Wettanbieter, Kickers Offenbach

Neben Fanshop und Ticket Shop bieten die Kickers im rechten oberen Seitenbereich auch einen Zugang zum eigenen Sportwetten Portal

Und gewettet werden kann nicht nur auf die Kickers Offenbach. Etwa 200.000 Sportereignisse sollen gleichzeitig angeboten werden. Es handelt sich also um einen vollwertigen Buchmacher Betrieb, den der kleine Verein da präsentiert. Wenn sich hier nur ein Bruchteil der 2.600 Vereinsmitglieder dazu durchringen kann Sportwetten direkt über das eigene Portal des Vereins abzuschließen und die, im Fußball eigentlich übliche, Unterstützung durch die Fans ebenfalls stimmt, dann kommt da sicherlich schnell ein hübsches Sümmchen zusammen.

 
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Sind die Kickers Offenbach und ihr Modell vom Verein als Wettanbieter die Zukunft?

Entsprechendes Engagement der Mitglieder und Fans vorausgesetzt dürften die Kickers also einiges mehr verdienen, als mit einem herkömmlichen Sportwetten Sponsoring in dieser Spielklasse möglich wäre.

Setzen wir dies in ein direktes Verhältnis mit beispielsweise Bayern München, wo über 280.000 Mitglieder und weitaus fanatischere und natürlich ungleich mehr Fans in ganz Deutschland gezählt werden können, dann erscheint dieses Modell auch in den oberen Ligen des Profifußballs zumindest genug Potential zu haben, dass es zukunftsweisend sein könnte.

Denn so viel ist klar: Würde ein Verein wie die Bayern ein eigenes Wettportal präsentieren und dies klug mit dem „Mia san Mia“ Gefühl verknüpfen, dann würde wohl ein großer Teil der Fans auf die vereinseigenen Wettangebote zurückgreifen und man könnte leicht Millionen umsetzen.

Und angesichts der zunehmenden Selbstvermarktung bei den großen Vereinen wundert es schon, dass gerade die Bayern noch keine eigenen Fußballwetten anbieten. Denn immerhin hat der Club nicht nur einen beachtlich gut laufenden Fanshop und könnte gut und gerne Merchandising Meister sein. Selbst ein eigener Fernsehkanal ist längst gegeben. Es dürfte ein leichtes sein eine Partnerschaft mit einem Buchmacher anzufangen.

Ist das Modell der Zukunft für Buchmacher tragbar?

Die Buchmacher selbst dürften solche Modelle meiner Ansicht nach ebenfalls schätzen. Jedenfalls dann, wenn sie Partner eines potenten Vereins sind. Nur wer keinen guten Partner hat dürfte bei solchen Modellen das Nachsehen haben. Bleiben wir beim Beispiel Tipico und FC Bayern. Würde man sich bei den Bayern zu einem eigenen Sportwetten Angebot entscheiden, dann könnte man sicherlich bei Tipico einen deutlichen Mehrgewinn erwarten, weil entsprechend viele Fans das Angebot auch nutzen. Natürlich wäre im Gegenzug keine reguläre Werbung mehr sinnvoll möglich. Aber meiner Einschätzung nach dürfte unter dem Strich auch Tipico ein entscheidendes Stück vom Kuchen abbekommen.

Würde sich ein großer Verein wie die Bayern zu dem Schritt entscheiden, dann wären im Gegenzug aber womöglich andere Anbieter im Nachsehen. Durchaus möglich, dass sich bei einem Verein wie Bayern die Sportwetten, die dann über den eigenen Verein abgeschlossen werden, auch bei anderen Anbietern wie Bet365 in den Zahlen bemerkbar machen. Vielleicht nicht deutlich, immerhin aber doch deutlich genug, um dies nicht bei weiteren großen Vereinen verkraften zu wollen. Es könnte ein regelrechter Wettkampf um die besten Partner im Sport unter den Wettanbietern entbrennen, der den Vereinen dann nochmals bessere Konditionen beschert.

Wie gut ist das Wettangebot der Kickers Offenbach als Wettanbieter?

Doch wie gut ist eigentlich das Wettangebot des Vereins? In Sachen Auswahl mit 200.000 Events ja definitiv mehr als nur akzeptabel. Doch wie sieht es mit den Quoten aus? Denn immerhin wären schlechtere Quoten für die Spieler eine beunruhigende Entwicklung.

Verein als Wettanbieter, Kickers Offenbach

Sowohl bei den Kickers...

... als auch beim Partner Buchmacher sind die Quoten gleich. Kein Haken für den treuen Fan.

Hier kann Entwarnung gegeben werden. Zumindest im Falle der Kickers Offenbach offeriert der Verein über seine Website bei Stichproben exakt die gleichen Quoten, wie der Partner Buchmacher in seinem Portal. Dementsprechend muss keinerlei Nachteil für treu ergebene Fans oder den Sportwetten Liebhaber insgesamt befürchtet werden, sollte dieser Trend sich durchsetzen.

Fazit zu den Kickers Offenbach als Wettanbieter

Die Kickers Offenbach haben mit ihrem Konzept als Fußball Verein und Buchmacher gleichzeitig aufzutreten einen klugen Weg gefunden Geld in die Vereinskasse zu spülen, der meiner Ansicht nach Schule machen könnte.

Schon bald könnten nicht nur Quoten und Angebote über die Wahl des Buchmachers entscheiden, sondern auch Fanzugehörigkeit. Vor allem in den Fällen, wo Topp Buchmacher ohnehin nahezu auf einer Höhe liegen, könnte letztendlich die Treue zum eigenen Verein die Wahl maßgeblich entscheiden. Eine Entwicklung auf die Sportwetten Anbieter sich einstellen sollten und die auch Vereine am Vorbild der Kickers Offenbach dringlich überdenken sollten.

 
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